Neu√Ÿ-Grevenbroicher Lokal-Zeitung, 24. Mai 1982:

Kriegskameraden von damals trafen sich in Neuss

Eine U-Boot-Fahrt in die Erinnerung

Nach ersten Einsätzen schon in Gefangenschaft

Unter dem donnernden Bersten der Wasserbomben kreischten und krachten die Spanten bei dem Gewaltigen Druck in mehr als hundert Meter Wassertiefe. Nietenk√∂pfe sprangen knallend ab. Die Besatzung schlich gleichsam durch das U-Bott. Trotz des Infernos drau√Ÿen musste sie jeden L√§rm vermeiden, um den Verfolgern die Ortung zu erschweren. - Erinnerungen an den Seekrieg, den voriges Jahr noch der Film ‚€žDas Boot‚€Ě spektakul√§r beschrieben hatte. Am Wochenende wurden sie in Neuss wieder beschworen. Da trafen sich sechzehn Besatzungsmitglieder von U 35 in Neuss. So halten sie es seit Jahren regelm√§√Ÿig am Wohnort eines der alten Kameraden. Sie alle haben den Krieg √ľberlebt. Ihr Boot war schon Ende 1939 verlorengegangen, sie alle waren in Gefangenschaft geraten.

 

Erstaunlich ist die Aktivit√§t und spr√ľhende Lebenslust, welche diese um 70 Jahre alten¬† Seeb√§ren umgibt. Faszinierende Geschichten k√∂nnen sie erz√§hlen. Erich May, der das Treffen in Neuss organisierte, wei√Ÿ von einer Story, die durch viele Zeitungen ging: Nachdem das deutsche U-Boot 35 vor einem griechischen Frachter aufgetaucht war, hatten die S√ľdl√§nder trotz starken Sturms fluchtartig ihr Schiff verlassen. Als das U-Boot dabei war, die Griechen an Bord zu nehmen, war pl√∂tzlich ein englisches Flugzeug aufgetaucht. Doch ohne einen Schuss abzugeben, war der Engl√§nder abgedreht, als er die Rettungsaktion als solche erkannte.

Ein anderes Mal, so berichtet Heinz Pfeifer, damals Obermaschinist, sei U 35 nach schwerer Wasserbombenverfolgung einstweilen nicht mehr hochgekommen, weil es einen Wassereinbruch gegeben hatte. Mit Hilfe der Pre√Ÿluft gelang dies schlie√Ÿlich doch. Das Boot schoss geradezu an die Oberfl√§che. In diesem Augenblick wurde auch schon ein englisches Flugzeug gesichtet. Das Alarmtauchen gelang dann nicht gerade vorschriftsm√§√Ÿig. In Schr√§glage glitt das Boot auf den Grund und schlug sehr hart auf den Meeresboden, gl√ľcklicherweise hielt der Bootsk√∂rper dieser Belastung stand.

Aber U 35 wurde sp√§ter doch von Engl√§ndern gewischt. Die Besatzung kam ‚€“ nach einem Zwischenaufenthalt im Tower von London in kanadische Gefangenenlager. Dort unternahm Heinz Pfeifer einen verwegenen Ausbruchsversuch. Als Friseur vorkleidet, konnte er mit einem Transporter das Lager verlassen und zu einer kleineren Station fahren, aus der bald ein Ausbruch gelang. Nach stundenlanger Nachtwanderung erkannte er jedoch am n√§chsten Morgen, dass er nur im Kreis gegangen war und versteckte sich in einem Feld. Da er seine Spuren mit Pfeffer auch f√ľr Hunde verwischt hatte, wurde er mehrere Tage hindurch nicht gefunden. Durch die Felder gut getarnt, konnte der Ausrei√Ÿer sogar Gespr√§chen von Soldaten lauschen, die sich wenige Meter vor ihm √ľber den entflohenen Deutschen unterhielten. Schlie√Ÿlich wurde auch diese abenteuerliche Reise durch die kanadische Polizei beendet.

So interessant diese Geschichten auch sind, so gef√§hrlich war die Realit√§t. In kaum einer Waffengattung gab es so geringe √œberlebenschancen wie bei den U-Booten. ‚€žU 35 hat immer Gl√ľck", lautete die optimistische Devise der damals jungen Seefahrer, die sich erfreulicherweise als richtig erwies.

ole